Viele MedTech-Unternehmen arbeiten mit wenigen, spezialisierten Partnern. Das hat gute Gründe: Spezialwissen, eingespielte Abläufe, validierte Prozesse. Gleichzeitig entsteht eine Abhängigkeit, die oft erst sichtbar wird, wenn etwas schiefgeht. Ein Lieferant erhöht die Preise, verlagert die Produktion oder kann plötzlich nicht mehr liefern. Weil jeder Wechsel neue Validierungen und Dokumentation erfordert, ist schnelles Ausweichen kaum möglich.
Als Distributor bei Ortho-Walker hatten wir Tausende von Artikeln von zahlreichen Herstellern im Sortiment. Ich habe gelernt, dass die gefährlichsten Abhängigkeiten nicht bei den grossen Lieferanten liegen, sondern bei den kleinen, für die es keinen Ersatz gibt.
Risiken sichtbar machen
Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandesaufnahme. Für jede kritische Komponente und jeden Fertigungsschritt stellen sich drei Fragen:
- Gibt es heute eine qualifizierte Alternative?
- Wie lange würde ein Wechsel dauern, inklusive Validierung und Dokumentation?
- Was würde ein Ausfall für unsere Lieferfähigkeit und unseren Umsatz bedeuten?
Das Ergebnis ist eine kurze Liste mit den grössten Risiken. Sie kommt auf die Issues-Liste des Führungsteams.
Lösen statt verwalten
Im Level 10 Meeting® wird jedes Risiko mit einem festen Muster bearbeitet: das eigentliche Problem identifizieren, Optionen diskutieren, entscheiden. Nicht jedes Risiko braucht eine Zweitquelle. Manchmal genügen ein Sicherheitsbestand, eine vertragliche Absicherung oder ein Notfallplan. Entscheidend ist, dass das Führungsteam bewusst entscheidet, statt zu hoffen.
Zweitquellen als Quartalsziel
Die Qualifizierung einer Zweitquelle ist ein Projekt, das neben dem Alltag leicht untergeht. EOS® setzt hier auf Rocks: Ziele für die nächsten 90 Tage mit einer verantwortlichen Person und einem klaren Ergebnis. Zum Beispiel:
- Quartal 1: Zwei mögliche Zweitlieferanten für Komponente X auditiert.
- Quartal 2: Erstmuster geprüft, Validierung abgeschlossen.
- Quartal 3: Zweitlieferant im Qualitätsmanagementsystem freigegeben.
Im wöchentlichen Meeting wird kurz gemeldet, ob das Ziel auf Kurs ist. So wird aus einem guten Vorsatz ein abgeschlossenes Projekt.
Lieferanten wöchentlich im Blick
Kennzahlen wie Liefertreue, offene Reklamationen bei Lieferanten oder Lagerreichweite kritischer Teile gehören auf die Scorecard. Verschlechtert sich ein Wert über mehrere Wochen, ist das oft ein frühes Warnsignal für ein Lieferantenproblem.
Ein erster Schritt für diese Woche
Listen Sie Ihre fünf kritischsten Komponenten oder Fertigungsschritte auf und notieren Sie für jeden, ob es eine qualifizierte Alternative gibt. Wo keine existiert, schätzen Sie, wie lange ein Wechsel dauern würde. Das grösste Risiko wird Ihr nächstes Quartalsziel.
Wie Sie den Übergang von Entwicklung zu Produktion stabil gestalten, lesen Sie im Beitrag Von der Entwicklung in die Produktion: eine Verantwortung, ein Prozess.
Häufige Fragen
Brauchen wir für jede Komponente eine Zweitquelle?
Nein. Konzentrieren Sie sich auf die Komponenten und Fertigungsschritte, deren Ausfall die Lieferfähigkeit gefährden würde und für die ein Wechsel lange dauert. Für andere genügen oft Sicherheitsbestände oder Notfallpläne.
Wie lange dauert die Qualifizierung einer Zweitquelle?
Das hängt von Komponente und Risikoklasse ab. Oft sind es mehrere Monate bis über ein Jahr. Gerade deshalb lohnt es sich, früh zu beginnen.
Wer im Führungsteam ist für Lieferantenrisiken verantwortlich?
Meist die Leitung Operations oder Einkauf. Sie bringt die Risiken auf die Issues-Liste und verantwortet die Quartalsziele zur Absicherung.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
