In den ersten Jahren wächst ein Unternehmen oft fast von selbst. Die Inhaberin kennt alle Kund:innen, alle Mitarbeitenden und jeden Ablauf. Entscheide fallen schnell, weil sie an einem Ort fallen. Mit dem Wachstum ändert sich das. Es gibt mehr Kund:innen, mehr Schnittstellen und mehr Fragen. Die Art zu führen, die das Unternehmen gross gemacht hat, wird zur Bremse.
Bei Ortho-Walker kam dieser Moment nach einigen Jahren starken Wachstums. Mehr Leute und mehr Einsatz brachten kaum noch etwas. Weiter ging es erst, als wir die Struktur und die Abläufe grundsätzlich neu aufgestellt haben.
Warum die Decke kommt
Jedes Unternehmen, jede Abteilung und jede Führungskraft stösst irgendwann an eine Grenze. Die Ursachen sind meist strukturell, nicht persönlich:
- Zu viele Entscheide laufen über zu wenige Personen.
- Abläufe sind nicht festgehalten und funktionieren nur, weil erfahrene Mitarbeitende improvisieren.
- Die Organisation ist um Personen herum gewachsen statt um klare Funktionen.
- Probleme werden erst sichtbar, wenn sie schon gross sind.
Fünf Fähigkeiten, um die Decke zu durchbrechen
EOS® beschreibt fünf Führungsfähigkeiten, die ein Führungsteam braucht, um mit wachsender Komplexität umzugehen:
Vereinfachen. Wachstum macht alles komplizierter. Gute Führung reduziert Abläufe, Botschaften und Regeln auf das Wesentliche. Eine klare Vision, wenige Ziele, wenige Kennzahlen.
Delegieren. Führungskräfte geben Aufgaben ab, die andere genauso gut erledigen können, und konzentrieren sich auf das, was sie am besten können.
Vorhersehen. Langfristig mit einem klaren Bild der Zukunft und Jahreszielen. Kurzfristig, indem Probleme jede Woche erkannt und gelöst werden, bevor sie wachsen.
Systematisieren. Die wichtigsten Abläufe werden festgehalten und von allen gleich befolgt. So hängt das Ergebnis nicht mehr von einzelnen Personen ab.
Strukturieren. Die Organisation wird nach Funktionen aufgebaut, nicht nach vorhandenen Personen. Jede Funktion hat genau eine verantwortliche Person.
Warum mehr Personal oft nicht hilft
Die naheliegende Reaktion auf zu viel Arbeit ist, mehr Leute einzustellen. Ohne klare Struktur und festgehaltene Abläufe steigt damit aber vor allem der Koordinationsaufwand. Neue Mitarbeitende brauchen Einarbeitung, stellen Fragen und arbeiten anders als die bestehenden. Die Komplexität wächst schneller als die Leistung.
Die Decke kommt wieder
Wer eine Decke durchbricht, stösst irgendwann an die nächste. Das ist kein Scheitern, sondern ein Zeichen von Wachstum. Ein Führungsteam, das die fünf Fähigkeiten beherrscht, erkennt die nächste Decke früher und kommt schneller hindurch.
Ein erster Schritt für diese Woche
Fragen Sie Ihr Führungsteam: Was hat vor drei Jahren funktioniert, das heute bremst? Sammeln Sie die Antworten auf einer Liste und ordnen Sie jede einer der fünf Fähigkeiten zu. Die Fähigkeit mit den meisten Einträgen zeigt, wo Sie zuerst ansetzen.
Wie Sie die wichtigsten Abläufe festhalten, lesen Sie im Beitrag Wenn das Wissen nur in einem Kopf steckt: Kernprozesse festhalten.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass wir an einer Wachstumsdecke stehen?
Typische Zeichen sind stagnierender Umsatz trotz mehr Personal, zunehmende Überlastung im Führungsteam, mehr Fehler und Reibung zwischen Abteilungen sowie das Gefühl, dass alles länger dauert als früher.
Ist die Decke eine Frage der Unternehmensgrösse?
Nicht direkt. Viele Unternehmen erleben sie bei bestimmten Grössen, etwa wenn die Inhaberin nicht mehr alle Mitarbeitenden persönlich kennt. Entscheidend ist aber, ob Struktur und Führung mit dem Wachstum Schritt gehalten haben.
Wie lange dauert es, eine Decke zu durchbrechen?
Erste Wirkungen zeigen sich oft innerhalb von 90 Tagen, wenn Rollen klar sind und das Führungsteam wöchentlich nach festem Muster zusammenarbeitet. Bis EOS® vollständig im Unternehmen verankert ist, rechnet man mit 18 bis 24 Monaten.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
