Viele MedTech-Unternehmen entstehen aus einer Erfindung. Die Gründerin oder der Gründer hat ein klinisches Problem erkannt und eine Lösung entwickelt. Diese Person ist das Gesicht des Unternehmens, überzeugt Investor:innen und Kliniken und kennt das Produkt besser als alle anderen. Mit dem Wachstum kommen aber Aufgaben dazu, die ganz andere Fähigkeiten verlangen: Prioritäten durchsetzen, Fristen halten, Konflikte im Team lösen, ein Budget einhalten.
Ich habe selbst beide Rollen ausgeübt und weiss, wie verführerisch es ist, beide zu behalten. Bei OrthoKontrol habe ich im Gründerteam bewusst den kommerziellen und operativen Teil übernommen, damit sich die Entwicklung auf das Produkt konzentrieren kann.
Zwei Rollen, die selten in einer Person stecken
EOS® unterscheidet an der Spitze eines Unternehmens zwei Rollen, die sich ergänzen:
- Der Visionary entwickelt neue Ideen, pflegt wichtige Beziehungen zu Kliniken, Partnern und Investor:innen, erkennt Chancen und prägt die Kultur. Er oder sie denkt in Jahren.
- Der Integrator führt das Tagesgeschäft. Er oder sie setzt Prioritäten um, führt das Führungsteam, leitet die wöchentliche Sitzung, löst Konflikte zwischen Bereichen und sorgt dafür, dass Fristen gehalten werden. Er oder sie denkt in Wochen und Quartalen.
Beide Rollen sind gleich wichtig. Schwierig wird es, wenn eine Person beide ausfüllen soll, obwohl ihre Stärke klar auf einer Seite liegt.
Woran Sie erkennen, dass ein Integrator fehlt
Typische Anzeichen in MedTech-Unternehmen sind:
- Neue Ideen der Gründerin oder des Gründers verdrängen regelmässig bereits beschlossene Prioritäten.
- Zulassungsmeilensteine verschieben sich, ohne dass jemand frühzeitig eingreift.
- Entwicklung, Qualität und Regulatory warten auf Entscheide, die nur eine Person treffen kann.
- Die Gründerin oder der Gründer verbringt mehr Zeit mit Koordination als mit Produkt, Kund:innen und Investor:innen.
Wie die Zusammenarbeit funktioniert
Die Trennung funktioniert nur, wenn die Rollen klar beschrieben sind. Im Accountability Chart® hat jede Rolle höchstens fünf Kernaufgaben. Der Integrator führt die Leitenden der einzelnen Bereiche, also etwa Entwicklung, Qualität und Regulatory, Produktion und Vertrieb. Der Visionary bringt Ideen ein, aber über den Integrator, nicht direkt in die Teams. So bleiben beschlossene Prioritäten stabil.
Beide treffen sich regelmässig zu zweit, um Differenzen zu klären, bevor sie das Team erreichen. Im Führungsteam treten sie geschlossen auf.
Wer die Integrator-Rolle übernehmen kann
In jungen MedTech-Unternehmen ist das oft ein:e Mitgründer:in mit operativer Erfahrung. In etablierten Firmen kann es ein:e COO oder Geschäftsführer:in sein. Wichtiger als der Titel ist, dass die Person die Rolle versteht, sie will und die Fähigkeit und Zeit dafür hat. EOS® nennt das GWC™.
Ein erster Schritt für diese Woche
Schreiben Sie auf, welche Ihrer Aufgaben Ihnen Energie geben und welche Ihnen Energie rauben. Liegen die Energieräuber vor allem im Koordinieren, Nachfassen und Durchsetzen, ist das ein deutliches Zeichen, dass Ihr Unternehmen einen Integrator braucht.
Wie ein Integrator Zulassungsmeilensteine planbar führt, lesen Sie im Beitrag Zulassungsmeilensteine in 90 Tagen: wie MDR-Projekte planbar werden.
Häufige Fragen
Kann der Gründer auch der Integrator sein?
Ja, wenn seine oder ihre Stärke tatsächlich im Führen des Tagesgeschäfts liegt. Entscheidend ist nicht, wer gegründet hat, sondern wessen Fähigkeiten zu welcher Rolle passen. Manche Gründer:innen sind ausgeprägte Integratoren und holen sich einen Visionary ins Team.
Brauchen auch kleine MedTech-Startups einen Integrator?
Die Rolle braucht jedes Unternehmen, auch wenn sie anfangs kein volles Pensum ist. Oft übernimmt sie ein:e Mitgründer:in zusätzlich zu einem Fachbereich. Wichtig ist, dass klar ist, wer sie innehat.
Was, wenn Visionary und Integrator unterschiedlicher Meinung sind?
Das ist normal und sogar gewollt. Differenzen werden im Gespräch zu zweit geklärt. Gegenüber dem Team vertreten beide den gemeinsamen Entscheid. Der Integrator hat dabei das letzte Wort im Tagesgeschäft, der Visionary bei der langfristigen Ausrichtung.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
