Viele Unternehmer:innen beschäftigen sich mit der Nachfolge erst, wenn ein Termin feststeht oder ein Kaufinteresse auftaucht. Dann zeigt sich, dass das Unternehmen in den Köpfen von Käufer:innen anders aussieht als in den eigenen. Was für Sie selbstverständlich ist, Ihre Beziehungen, Ihr Wissen, Ihre schnellen Entscheide, ist für eine übernehmende Person ein Risiko.
Beim Verkauf der Ortho-Walker AG an die Mikrona Group habe ich erlebt, wie genau Käufer prüfen, ob ein Unternehmen ohne seinen Inhaber funktioniert. Dass wir Abläufe und Verantwortlichkeiten klar geregelt hatten, war in den Gesprächen ein entscheidender Vorteil.
Was Käufer:innen und Nachfolger:innen prüfen
- Führung: Gibt es ein Führungsteam, das das Tagesgeschäft ohne die Inhaberin führt?
- Kundenbeziehungen: Hängen wichtige Kund:innen an einer Person oder an dem Unternehmen?
- Abläufe: Sind die wichtigsten Prozesse festgehalten, oder existieren sie nur in Köpfen?
- Zahlen: Wird das Unternehmen nach nachvollziehbaren Kennzahlen gesteuert?
- Strategie: Gibt es eine klare Richtung, die auch ohne die bisherige Person trägt?
Je mehr dieser Fragen mit Ja beantwortet werden, desto geringer das Risiko für die übernehmende Seite. Das wirkt sich auf Bewertung, Finanzierung und Dauer der Übergabe aus.
Ein Führungsteam, das ohne Sie führt
Der wichtigste Faktor ist ein eigenständiges Führungsteam. Im Accountability Chart® ist festgelegt, wer für welchen Bereich verantwortlich ist. Wenn dieses Team jede Woche im Level 10 Meeting® zusammenarbeitet, Quartalsziele setzt und Probleme gemeinsam löst, zeigt das, dass das Unternehmen geführt wird und nicht nur getragen.
Prozesse und Zahlen, die für sich sprechen
Festgehaltene Kernprozesse zeigen, wie das Unternehmen arbeitet. Eine wöchentliche Scorecard, die über Jahre geführt wurde, zeigt, wie stabil es läuft. Beides macht das Unternehmen für Dritte nachvollziehbar und reduziert die Abhängigkeit von Ihrem persönlichen Wissen.
Kundenbeziehungen übertragen
Wenn wichtige Kund:innen nur zu Ihnen eine Beziehung haben, beginnen Sie früh, diese Beziehungen auf weitere Personen im Unternehmen zu verteilen. Nehmen Sie Ihre Nachfolge in wichtige Gespräche mit, übertragen Sie die Betreuung schrittweise. Das braucht Zeit und gelingt nicht in den letzten Monaten vor der Übergabe.
Früh beginnen lohnt sich doppelt
Für die vollständige Einführung von EOS® rechnet man mit 18 bis 24 Monaten. Das ist ein Argument, früh zu beginnen. Und die Arbeit lohnt sich nicht erst bei der Übergabe: Ein Unternehmen, das ohne ständiges Eingreifen der Inhaberin läuft, gibt Ihnen schon heute mehr Freiheit.
Ein erster Schritt für diese Woche
Stellen Sie sich vor, ein Käufer würde Sie morgen fragen: Was passiert, wenn Sie ab nächstem Monat nicht mehr da sind? Schreiben Sie Ihre ehrliche Antwort auf. Die Lücken darin sind Ihre ersten Ziele für das nächste Quartal.
Wie Sie prüfen, wie stark Ihr Unternehmen heute an Ihnen hängt, lesen Sie im Beitrag Der Vier-Wochen-Test: läuft Ihr Unternehmen ohne Sie?
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit der Vorbereitung einer Übergabe beginnen?
Mehrere Jahre vorher. Ein eigenständiges Führungsteam, festgehaltene Prozesse und übertragene Kundenbeziehungen brauchen Zeit. Beginnen Sie, bevor ein konkretes Datum feststeht.
Hilft EOS® bei der Bewertung des Unternehmens?
Nein. Die Bewertung ist Sache von Treuhänder:innen und M&A-Fachleuten. EOS® hilft, die Strukturen aufzubauen, die ein Unternehmen weniger abhängig von einer Person und für Dritte nachvollziehbar machen.
Gilt das auch für eine familieninterne Nachfolge?
Ja. Auch die nächste Generation übernimmt leichter ein Unternehmen mit klaren Rollen, festgehaltenen Abläufen und einem funktionierenden Führungsteam. Das entlastet die Nachfolge und die Familie.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
