Viele Unternehmer:innen sind stolz darauf, dass sie ihr Unternehmen bis ins Detail kennen. Lange war das auch eine Stärke. Mit dem Wachstum kippt sie: Wenn alle wichtigen Fragen bei Ihnen landen, warten Mitarbeitende auf Ihre Antworten, Entscheide stauen sich, und Ihr Kalender bestimmt, wie schnell sich das Unternehmen bewegt.
In über 15 Jahren in der Entrepreneurs' Organization habe ich mit vielen Unternehmer:innen gesprochen, die seit Jahren keine vier Wochen am Stück weg waren. Fast alle hatten fähige Leute im Team. Was fehlte, war eine klare Regel, wer was entscheiden darf.
Woran Sie erkennen, dass Sie der Engpass sind
- Sie werden mehrmals täglich zu Themen gefragt, die eigentlich in einem anderen Bereich entschieden werden könnten.
- Nach Ihren Ferien wartet ein Stapel von Entscheiden, die während Ihrer Abwesenheit liegen geblieben sind.
- Ihre Führungskräfte bringen Ihnen Probleme statt Lösungsvorschläge.
- Sie arbeiten mehr als früher, aber das Unternehmen wächst langsamer.
Keiner dieser Punkte bedeutet, dass Ihr Team schwach ist. Meist bedeutet er, dass nie klar festgelegt wurde, wer wofür verantwortlich ist.
Verantwortung klar verteilen
Das Werkzeug dafür ist das Accountability Chart®. Es legt fest, welche Bereiche Ihr Unternehmen braucht, zum Beispiel Verkauf und Marketing, Leistungserbringung sowie Finanzen und Administration, und wer jeden davon verantwortet. Dabei gelten drei Regeln:
- Erst die Struktur, dann die Personen. Zuerst wird festgelegt, welche Bereiche es braucht, erst danach, wer sie übernimmt.
- Ein Bereich, eine Person. Geteilte Verantwortung bedeutet am Ende, dass sich niemand verantwortlich fühlt.
- Höchstens fünf Kernaufgaben pro Bereich. So bleibt jede Rolle klar beschreibbar.
Viele Unternehmen trennen dabei auch an der Spitze zwei Rollen: die Person, die neue Ideen und die langfristige Richtung einbringt, und die Person, die das Tagesgeschäft führt. EOS® nennt diese Rollen Visionary und Integrator.
Entscheide wirklich abgeben
Die schwierigste Veränderung betrifft meist nicht das Team, sondern Sie. Wer Verantwortung überträgt, muss auch akzeptieren, dass andere Entscheide anders treffen, als man es selbst getan hätte. Wenn Sie bei jeder Gelegenheit eingreifen, lernt Ihr Team, dass am Ende doch Sie entscheiden. Dann landen die Fragen wieder bei Ihnen.
Hilfreich ist eine einfache Übung: Schreiben Sie zwei Wochen lang auf, womit Sie Ihre Zeit verbringen. Teilen Sie die Liste in Aufgaben, die Sie gern und sehr gut machen, und in solche, die andere genauso gut oder besser erledigen könnten. Die zweite Gruppe geben Sie schrittweise ab.
Woran Sie merken, dass es funktioniert
Die Fragen, die bei Ihnen landen, werden weniger und grundsätzlicher. Ihre Führungskräfte lösen Probleme im wöchentlichen Level 10 Meeting® gemeinsam, statt sie einzeln zu Ihnen zu tragen. Und Sie finden wieder Zeit für die Aufgaben, die nur Sie erledigen können.
Ein erster Schritt für diese Woche
Notieren Sie fünf Arbeitstage lang jede Frage, die Ihnen gestellt wird, und wer sie stellt. Markieren Sie am Ende alle Fragen, die eigentlich jemand anderes hätte beantworten können. Diese Liste zeigt, wo die Verantwortung heute unklar ist.
Warum dieselben Probleme trotzdem immer wiederkommen können, lesen Sie im Beitrag Immer dasselbe Problem: warum Feuerlöschen nichts löst.
Häufige Fragen
Meine Leute sind noch nicht so weit. Kann ich trotzdem abgeben?
Oft sind sie weiter, als es scheint, weil sie bisher keine Gelegenheit hatten, Verantwortung zu tragen. Beginnen Sie mit Bereichen, in denen ein Fehlentscheid wenig kostet. Und prüfen Sie ehrlich, ob die Person die Rolle versteht, sie will und die Fähigkeit und Zeit dafür hat.
Verliere ich nicht die Kontrolle, wenn ich Entscheide abgebe?
Sie tauschen Kontrolle über jedes Detail gegen einen klaren Überblick. Eine wöchentliche Scorecard und das wöchentliche Level 10 Meeting® zeigen Ihnen, ob die Bereiche auf Kurs sind, ohne dass Sie überall selbst eingreifen müssen.
Wie lange dauert es, bis ich spürbar entlastet bin?
Erste Veränderungen zeigen sich oft innerhalb von 90 Tagen, sobald Rollen klar sind und das wöchentliche Meeting läuft. Bis EOS® vollständig im Unternehmen verankert ist, rechnet man mit 18 bis 24 Monaten.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
