Führungsteam

Immer dasselbe Problem: warum Feuerlöschen nichts löst

Die Lieferung war wieder zu spät, die Offerte wieder fehlerhaft, die Übergabe zwischen Verkauf und Produktion hat wieder nicht geklappt. Das Thema wird besprochen, jemand kümmert sich darum, und drei Wochen später ist es wieder da. Wer ständig Feuer löscht, hat selten zu viele Probleme. Meist werden dieselben Probleme nie wirklich gelöst.

Feuerlöschen fühlt sich produktiv an. Man reagiert schnell, packt an und rettet die Situation. Das Problem ist, dass derselbe Brand nach einigen Wochen wieder ausbricht. Dann wird er wieder gelöscht, mit demselben Aufwand. Viele Führungsteams verbringen so einen grossen Teil ihrer Zeit mit Themen, die sie eigentlich schon kennen.

In den Führungsteams, die ich begleite, ist die erste Issues-Liste oft erstaunlich lang. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich meist, dass sich viele Punkte auf zwei oder drei Ursachen zurückführen lassen.

Warum Probleme zurückkommen

Die meisten Probleme werden auf der Ebene behandelt, auf der sie sichtbar werden. Die Lieferung ist zu spät, also wird diesmal per Express nachgeliefert. Das löst den Fall, aber nicht die Ursache. Vielleicht wurde der Auftrag zu spät an die Produktion übergeben. Vielleicht fehlt eine klare Zuständigkeit für die Terminplanung. Vielleicht verspricht der Verkauf Termine, die niemand geprüft hat. Solange diese Ursache bleibt, kommt das Problem zurück.

Die Issues-Liste: alles an einem Ort

Der erste Schritt ist einfach: Alle offenen Probleme, Ideen und Fragen des Führungsteams kommen auf eine gemeinsame Liste, die Issues-Liste. Nichts wird mehr im Flur oder per E-Mail nebenbei geklärt. Das hat zwei Effekte. Erstens geht nichts verloren. Zweitens wird sichtbar, welche Themen wirklich wichtig sind und welche immer wieder auftauchen.

IDS: identifizieren, diskutieren, lösen

Im wöchentlichen Level 10 Meeting® reserviert das Führungsteam rund 60 Minuten für das Lösen von Problemen. Es wählt die drei wichtigsten Themen der Issues-Liste und arbeitet sie mit IDS ab:

  1. Identifizieren. Was ist das eigentliche Problem? Hier wird so lange nachgefragt, bis die Ursache auf dem Tisch liegt. Dieser Schritt braucht oft mehr Zeit als die beiden anderen.
  2. Diskutieren. Jede Person sagt einmal, was sie denkt. Es geht nicht darum, recht zu haben, sondern alle Perspektiven zu hören. Wiederholungen sind nicht nötig.
  3. Lösen. Das Team beschliesst eine Lösung. Daraus entsteht mindestens eine konkrete Aufgabe mit einer verantwortlichen Person und einer Frist von höchstens sieben Tagen.

Wenn sich das Team nicht einigen kann, entscheidet die Person, die für den betroffenen Bereich verantwortlich ist. Endlose Konsenssuche ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Probleme vertagt werden.

Eine Kultur, in der Probleme auf den Tisch kommen

IDS funktioniert nur, wenn Probleme offen angesprochen werden. In vielen Teams geschieht das nicht, aus Rücksicht, aus Angst vor Konflikten oder weil es sich nicht lohnt. Ein Führungsteam, das jede Woche erlebt, dass Probleme tatsächlich gelöst werden, spricht sie mit der Zeit auch früher an. Das ist einer der wichtigsten Effekte von EOS®.

Ein erster Schritt für diese Woche

Schreiben Sie alle Themen auf, die in den letzten drei Monaten mehr als einmal besprochen wurden. Fragen Sie bei jedem: Was ist die eigentliche Ursache? Wählen Sie das wichtigste und lösen Sie es in der nächsten Führungssitzung bis zu einer konkreten Aufgabe.

Wie Sie die wöchentliche Sitzung so aufbauen, dass genug Zeit für das Lösen bleibt, lesen Sie im Beitrag Warum das Level 10 Meeting® Disziplin braucht, keine Länge.

Häufige Fragen

Was gehört auf die Issues-Liste?

Alles, was das Führungsteam lösen, entscheiden oder besprechen muss: Probleme, Hindernisse, Ideen und offene Fragen. Themen, die eine Person allein klären kann, gehören nicht darauf.

Was, wenn wir in 60 Minuten nicht alle Themen schaffen?

Das ist normal. Lieber drei Themen vollständig lösen als zehn anreissen. Die übrigen bleiben auf der Liste und werden nächste Woche neu priorisiert. Oft lösen sich dabei einige Themen von selbst, weil sie dieselbe Ursache hatten.

Wie verhindern wir, dass Diskussionen ausufern?

Indem der erste Schritt ernst genommen wird. Wer das eigentliche Problem sauber identifiziert hat, braucht für Diskussion und Lösung meist deutlich weniger Zeit. Die Person, die das Meeting leitet, achtet darauf, dass jede Position nur einmal vorgebracht wird.

Für alle Führungsteams

Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.

Professional EOS Implementer Badge
Michael Eggimann
Professional EOS Implementer®

Bevor ich EOS Implementer® geworden bin, habe ich selber Unternehmen aufgebaut. Als Unternehmer habe ich in 20 Jahren fast alle Phasen einer Firma erlebt — Startup, Skalierung, Turnaround, Exit — und EOS® auch selbst eingeführt. Seit 2021 begleite ich Führungsteams als Professional EOS Implementer®, mit derselben operativen Perspektive, die ich selbst gebraucht hätte.

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