Führungsteam

Warum das Level 10 Meeting® Disziplin braucht, keine Länge

Die wöchentliche Führungssitzung dauert zwei Stunden, endet ohne klare Entscheide, und am nächsten Montag stehen dieselben Themen wieder auf der Liste. Das Problem ist selten die Länge. Es fehlt eine feste Struktur, die Zeit für das Lösen von Problemen reserviert.

Viele Führungsteams treffen sich jede Woche und haben trotzdem das Gefühl, nicht voranzukommen. Die Sitzung beginnt mit Updates aus allen Bereichen, die meist länger dauern als geplant. Für die eigentlich wichtigen Themen bleibt am Ende kaum Zeit. Sie werden angesprochen, diskutiert und auf nächste Woche vertagt.

Wenn ich einem Führungsteam zum ersten Mal vorschlage, sich jede Woche 90 Minuten zu treffen, höre ich fast immer denselben Einwand: Dafür haben wir keine Zeit. Nach einigen Wochen höre ich meist das Gegenteil, weil andere Sitzungen, Rückfragen und Flurgespräche wegfallen.

Warum lange Sitzungen nicht mehr bringen

Eine Sitzung ohne feste Struktur folgt dem, was gerade drängt. Wer am lautesten berichtet, bekommt die meiste Zeit. Probleme werden besprochen, aber selten bis zur Ursache verfolgt. Und weil niemand festhält, wer bis wann was erledigt, beginnt die nächste Sitzung wieder von vorn.

Das Level 10 Meeting® aus EOS® dreht dieses Verhältnis um. Es ist kurz bei allem, was nur Information ist, und lang bei dem, was eine Entscheidung braucht.

Die Agenda: immer gleich, immer pünktlich

Das Level 10 Meeting® findet jede Woche am selben Tag, zur selben Zeit und mit derselben Agenda statt. Es beginnt pünktlich und endet pünktlich. Die Agenda sieht so aus:

  1. Gute Nachrichten (5 Minuten): je eine persönliche und eine geschäftliche.
  2. Scorecard (5 Minuten): Sind die wöchentlichen Kennzahlen im Ziel? Was nicht im Ziel ist, kommt auf die Issues-Liste.
  3. Quartalsziele (5 Minuten): Ist jedes Ziel auf Kurs oder nicht? Keine Diskussion, nur der Status.
  4. Kunden- und Mitarbeiter-Nachrichten (5 Minuten): kurze Meldungen, keine Debatte.
  5. Aufgabenliste (5 Minuten): Wurden die Aufgaben der letzten Woche erledigt?
  6. Probleme lösen (60 Minuten): die wichtigsten Themen der Issues-Liste.
  7. Abschluss (5 Minuten): neue Aufgaben zusammenfassen, Sitzung bewerten.

60 Minuten für das, was wirklich zählt

Das Herzstück ist der Block zum Lösen von Problemen. Das Team wählt die drei wichtigsten Themen der Issues-Liste und arbeitet sie nacheinander ab, nach einem festen Muster: das eigentliche Problem identifizieren, offen diskutieren und eine Lösung beschliessen. EOS® nennt das IDS, für Identify, Discuss, Solve.

Entscheidend ist der erste Schritt. Was zuerst als Problem genannt wird, ist oft nur ein Symptom. Erst wenn die Ursache klar ist, lohnt sich die Diskussion. Und sie endet nicht mit „Wir schauen das an“, sondern mit einer Aufgabe, einer verantwortlichen Person und einem Termin.

Verbindlichkeit statt guter Absichten

Jede Aufgabe aus dem Level 10 Meeting® soll innerhalb von sieben Tagen erledigt sein. In der nächsten Sitzung wird nur gefragt: erledigt oder nicht erledigt. Ziel ist eine Erledigungsquote von mindestens 90 Prozent. Liegt sie über Wochen darunter, ist das selbst ein Thema für die Issues-Liste.

Am Ende bewertet jede Person die Sitzung mit einer Note von 1 bis 10. Daher kommt der Name. Liegt der Durchschnitt unter 8, wird besprochen, was nächstes Mal besser laufen muss.

Ein erster Schritt für diese Woche

Legen Sie für Ihr Führungsteam einen festen Wochentermin von 90 Minuten fest und streichen Sie dafür eine andere Sitzung. Halten Sie die Agenda vier Wochen lang konsequent ein, auch wenn sie anfangs ungewohnt wirkt. Erst dann lohnt sich ein erstes Urteil.

Wie Sie die Prioritäten festlegen, die im Level 10 Meeting® jede Woche geprüft werden, lesen Sie im Beitrag Wie viele Rocks Ihr Führungsteam pro Quartal wirklich schafft.

Häufige Fragen

Sind 90 Minuten pro Woche nicht zu viel?

Viele Teams verbringen heute mehr Zeit in Sitzungen, nur verteilt auf viele kurze Absprachen und lange Monatsrunden. Das Level 10 Meeting® ersetzt einen Teil davon. Weil Probleme dort gelöst statt vertagt werden, fallen Rückfragen und Zusatzsitzungen weg.

Wer leitet das Level 10 Meeting®?

In EOS® meist der Integrator, also die Person, die für das Tagesgeschäft verantwortlich ist. Wichtig ist, dass diese Person die Zeit einhält und darauf achtet, dass Diskussionen mit einer klaren Aufgabe enden.

Was passiert mit Themen, die in 60 Minuten nicht gelöst werden?

Sie bleiben auf der Issues-Liste und kommen in der nächsten Woche wieder dran, sofern sie dann noch zu den wichtigsten gehören. Besser drei Themen vollständig lösen als zehn anreissen.

Für alle Führungsteams

Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.

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Michael Eggimann
Professional EOS Implementer®

Bevor ich EOS Implementer® geworden bin, habe ich selber Unternehmen aufgebaut. Als Unternehmer habe ich in 20 Jahren fast alle Phasen einer Firma erlebt — Startup, Skalierung, Turnaround, Exit — und EOS® auch selbst eingeführt. Seit 2021 begleite ich Führungsteams als Professional EOS Implementer®, mit derselben operativen Perspektive, die ich selbst gebraucht hätte.

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