MedTech-Unternehmen sind voller Zahlen: Testergebnisse, Messprotokolle, Budgetberichte. Trotzdem steuern viele Führungsteams die wichtigsten Projekte nach Einschätzung. Der Stand der Entwicklung wird in Prozent angegeben, die Bereitschaft für das nächste Audit als „gut“ beschrieben. Solche Angaben sind ehrlich gemeint, aber sie hängen davon ab, wer sie macht und wie optimistisch diese Person gerade ist.
Bei OrthoKontrol habe ich erlebt, wie unterschiedlich „fast fertig“ klingen kann, je nachdem, wen man fragt. Erst als wir den Fortschritt an konkreten Zählgrössen festgemacht haben, wusste das ganze Team, wo wir wirklich stehen.
Was eine gute Kennzahl ausmacht
Die Scorecard in EOS® umfasst 5 bis 15 Kennzahlen, die jede Woche erhoben werden. Eine gute Kennzahl erfüllt drei Bedingungen:
- Sie ist zählbar. „Anzahl offener Kapitel“ statt „Stand der Dokumentation in Prozent“.
- Sie ist ein Frühindikator. Sie zeigt, wohin sich ein Ergebnis entwickelt, bevor es eintritt.
- Sie hat genau eine verantwortliche Person und ein Wochenziel, das erreicht ist oder nicht.
Beispiele für eine MedTech-Scorecard
Welche Kennzahlen passen, hängt von Phase und Produkt ab. Diese Beispiele sind ein Ausgangspunkt:
Entwicklung und Dokumentation
- Offene Kapitel im Design History File
- Abgeschlossene und unterschriebene Verifizierungs- und Validierungsberichte
- Offene Designänderungen
Qualität und Regulatory
- Offene CAPAs älter als 30 Tage
- Offene Abweichungen aus dem letzten Audit
- Überfällige Schulungen nach neuen oder geänderten SOPs
Markt und Finanzen
- Aktive Gespräche mit Referenzkliniken
- Liquidität in Monaten bei aktueller Ausgabenrate
- Neue qualifizierte Anfragen pro Woche
Wählen Sie für den Anfang höchstens sieben davon. Eine Scorecard mit 25 Zahlen schaut nach wenigen Wochen niemand mehr an.
Wie die Scorecard im Alltag funktioniert
Die verantwortlichen Personen tragen ihre Werte bis zu einem festen Zeitpunkt ein, zum Beispiel jeden Montag um 12 Uhr. Die Scorecard zeigt immer die letzten 13 Wochen nebeneinander, damit Trends sichtbar werden. Im wöchentlichen Level 10 Meeting® wird sie in rund fünf Minuten durchgegangen. Was nicht im Ziel ist, kommt auf die Issues-Liste und wird später in der Sitzung gelöst.
Gerade im regulierten Umfeld ist eine Regel wichtig: Eine rote Zahl ist ein Hinweis, kein Vorwurf. Wer für schlechte Werte kritisiert wird, beginnt sie zu schönen. Dann verliert die Scorecard ihren Zweck.
Ein erster Schritt für diese Woche
Nehmen Sie das wichtigste Entwicklungsprojekt und fragen Sie: Woran könnten wir jede Woche zählen, ob wir vorankommen? Legen Sie drei solche Zählgrössen fest, bestimmen Sie für jede eine verantwortliche Person und beginnen Sie nächsten Montag mit dem Eintragen.
Wie Sie die Zulassung selbst in planbare Etappen zerlegen, lesen Sie im Beitrag Zulassungsmeilensteine in 90 Tagen: wie MDR-Projekte planbar werden.
Häufige Fragen
Ersetzt die Scorecard unsere QM-Kennzahlen?
Nein. Die Kennzahlen, die Ihr Qualitätsmanagementsystem verlangt, bleiben bestehen. Die Scorecard ist das Steuerungsinstrument des Führungsteams und enthält nur die wenigen Zahlen, die es jede Woche sehen muss. Einzelne QM-Kennzahlen können darauf stehen.
Wie messen wir Fortschritt in der Forschung, wo vieles offen ist?
Messen Sie Aktivitäten statt Ergebnisse, zum Beispiel abgeschlossene Versuchsreihen, ausgewertete Datensätze oder getroffene Designentscheide. Auch in offener Entwicklung lässt sich zählen, was jede Woche erledigt wurde.
Wer pflegt die Scorecard?
Jede Kennzahl wird von der verantwortlichen Person eingetragen. Eine weitere Person, oft aus der Geschäftsleitung oder der Assistenz, achtet darauf, dass alle Werte rechtzeitig vor dem wöchentlichen Meeting vorliegen.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
