Die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, hat die meisten Unternehmer:innen erfolgreich gemacht. Mit dem Wachstum wird sie zum Risiko. Jede neue Idee bindet Zeit, Geld und Aufmerksamkeit des Führungsteams. Wenn zu viele gleichzeitig verfolgt werden, leidet das Kerngeschäft. Mitarbeitende verlieren den Überblick, was wirklich Priorität hat.
Ich bin selbst jemand, der überall Chancen sieht. Bei Ortho-Walker hätte ich manches Jahr gern fünf neue Projekte gleichzeitig gestartet. Erst ein klarer Fokus hat mir geholfen, Nein zu sagen und das Kerngeschäft konsequent auszubauen.
Woran Sie das Verzetteln erkennen
- Das Führungsteam spricht in Sitzungen mehr über neue Projekte als über das Kerngeschäft.
- Mitarbeitende fragen, welche Priorität gerade gilt.
- Angefangene Projekte werden nicht abgeschlossen, weil schon das nächste ansteht.
- Sonderaufträge binden überproportional viel Zeit, ohne entsprechend zum Ergebnis beizutragen.
Der Kernfokus als Filter
Im V/TO®, dem Strategiedokument von EOS®, legt das Führungsteam einen Kernfokus fest. Er beantwortet zwei Fragen: Wozu gibt es unser Unternehmen? Und worin sind wir am stärksten? Die Antworten sind kurz und konkret.
Jede neue Gelegenheit wird an diesem Kernfokus gemessen. Passt sie hinein, wird sie ernsthaft geprüft. Passt sie nicht, wird sie abgelehnt, auch wenn sie lukrativ klingt. Zusammen mit dem 10-Jahres-Ziel entsteht so ein klarer Filter, der Diskussionen abkürzt und Entscheide nachvollziehbar macht.
Nein heisst nicht nie
Nicht jede gute Idee muss abgelehnt werden. Viele passen nur nicht jetzt. EOS® unterscheidet deshalb zwischen der wöchentlichen Issues-Liste und einer langfristigen Liste für Themen, die über die nächsten 90 Tage hinausgehen. Neue Ideen kommen auf diese Liste und werden in der Quartalsplanung oder der Jahresplanung neu beurteilt. Sie gehen nicht verloren, binden aber im Alltag keine Energie.
Ausnahmen bewusst entscheiden
Manchmal gibt es gute Gründe für eine Ausnahme, etwa eine Kundin, die für das Kerngeschäft wichtig ist. Dann wird die Ausnahme bewusst im Führungsteam entschieden, mit klarer Begrenzung, und nicht stillschweigend akzeptiert. So bleibt der Kernfokus glaubwürdig.
Ein erster Schritt für diese Woche
Schreiben Sie alle Projekte und Sonderaufträge auf, die Ihr Unternehmen gerade neben dem Kerngeschäft verfolgt. Fragen Sie bei jedem: Würden wir das heute noch einmal beginnen? Was nicht klar mit Ja beantwortet wird, kommt auf die langfristige Liste.
Wie ein Kernfokus auch die Marge stärkt, lesen Sie im Beitrag Mehr Umsatz, gleicher Gewinn: wo das Wachstum versickert.
Häufige Fragen
Wie formulieren wir unseren Kernfokus?
Das Führungsteam beantwortet gemeinsam zwei Fragen: Wozu gibt es uns, und worin sind wir am stärksten? Die Antworten sollten kurz sein, je ein Satz oder wenige Worte. Meist braucht es mehrere Anläufe, bis sie wirklich passen.
Verpassen wir nicht Chancen, wenn wir zu oft Nein sagen?
Einzelne vielleicht. Dafür nutzen Sie die Chancen in Ihrem Kerngeschäft besser. Gute Ideen gehen nicht verloren, sie werden auf der langfristigen Liste festgehalten und regelmässig neu beurteilt.
Wer entscheidet, ob eine Gelegenheit zum Kernfokus passt?
Das Führungsteam gemeinsam, in der wöchentlichen Sitzung oder in der Quartalsplanung. Der Kernfokus macht die Entscheidung nachvollziehbar und unabhängig von der Begeisterung einzelner Personen.
Beiträge, die für jedes Führungsteam gelten, unabhängig von der Branche.
