Entscheide

Neue Software, neues Gerät: Investitionen entscheiden statt aufschieben

Die Online-Terminbuchung ist seit zwei Jahren ein Thema. Das neue Röntgengerät seit einem. Die Umstellung auf papierlose Patientendossiers wurde mehrmals angefangen. Viele Investitions- und Digitalisierungsentscheide in Praxen werden nicht falsch getroffen, sondern gar nicht. Ein aufgeschobener Entscheid kostet ebenfalls Geld, nur sieht man es nicht auf der Rechnung.

Investitionsentscheide fallen in Praxen schwer, weil sie mehrere Ebenen betreffen: Geld, Abläufe, Team und oft auch die Patient:innen. Jede Option hat Vor- und Nachteile, jede Offerte wirft neue Fragen auf. Also wird noch eine Offerte eingeholt, noch ein Gespräch geführt, und der Entscheid wandert in den nächsten Monat. Gleichzeitig laufen die alten Abläufe weiter, mit doppelter Erfassung, Wartezeiten am Telefon und veralteten Geräten.

Als Unternehmer habe ich selbst grössere Investitionen zu lange aufgeschoben, darunter die Einführung eines Webshops. Als wir ihn umsetzten, wurde er zu einem wichtigen Verkaufskanal. Heute weiss ich: Die Unsicherheit wird durch Warten selten kleiner.

Warum Entscheide liegen bleiben

  • Es ist unklar, wer den Entscheid treffen darf. Also wartet das Team auf Sie, und Sie warten auf mehr Informationen.
  • Es fehlen Kriterien. Ohne festgelegte Massstäbe lässt sich jede Option endlos vergleichen.
  • Das Thema hat keinen festen Platz. Es wird zwischendurch besprochen und nie zu Ende gebracht.

Entscheiden nach klaren Kriterien

Legen Sie vor dem Vergleich der Angebote fest, woran Sie den Entscheid messen. Zum Beispiel: Welches Problem löst die Investition? Wie viel Zeit spart sie pro Woche? In wie vielen Jahren hat sie sich bezahlt gemacht? Passt sie zum Kernfokus Ihrer Praxis? Mit diesen Kriterien wird aus einer Gefühlsfrage eine nachvollziehbare Abwägung.

In der wöchentlichen Sitzung kommt der Entscheid auf die Issues-Liste und wird nach dem festen Muster bearbeitet: das eigentliche Problem identifizieren, die Optionen offen diskutieren, entscheiden. Kann sich das Team nicht einigen, entscheidet die Person, die für den betroffenen Bereich verantwortlich ist. Bei grösseren Investitionen sind das in der Regel Sie als Inhaber:in. Wichtig ist, dass am Ende der Sitzung ein Entscheid steht, nicht eine weitere Abklärung ohne Termin.

Digitalisierung in 90-Tage-Schritten

Viele Digitalisierungsprojekte scheitern nicht am Entscheid, sondern an der Umsetzung. Sie laufen neben dem Alltag her und kommen nie richtig voran. EOS® setzt hier auf Rocks: Ziele für die nächsten 90 Tage, die Vorrang vor dem Tagesgeschäft haben. Für die Online-Terminbuchung könnte das so aussehen:

  • Quartal 1: Anbieter ausgewählt, Anbindung an die Praxissoftware getestet.
  • Quartal 2: Online-Buchung für Kontrolltermine live, Team geschult.
  • Quartal 3: Ausweitung auf weitere Terminarten, Anteil der Online-Buchungen auf der Scorecard.

Jedes Quartalsziel hat genau eine verantwortliche Person und ein Ergebnis, das am Ende eindeutig erreicht ist oder nicht. In der wöchentlichen Sitzung wird kurz gemeldet, ob es auf Kurs ist.

IT-Inseln vermeiden

Viele Praxen haben über die Jahre mehrere Systeme angeschafft, die nicht miteinander sprechen. Prüfen Sie bei jeder neuen Investition, wie sie sich in Ihre bestehende Praxissoftware einfügt. Doppelte Erfassung ist einer der grössten versteckten Zeitfresser im Praxisalltag.

Ein erster Schritt für diese Woche

Schreiben Sie alle Investitionen und Digitalisierungsprojekte auf, die seit mehr als drei Monaten offen sind. Wählen Sie das wichtigste, legen Sie drei Entscheidungskriterien fest und setzen Sie es auf die Agenda Ihrer nächsten Sitzung, mit dem Ziel, es dort zu entscheiden.

Wie Sie eine feste Wochensitzung in Ihrer Praxis einführen, lesen Sie im Beitrag Zwischen zwei Patient:innen: warum Ihre Praxis eine feste Wochensitzung braucht.

Häufige Fragen

Wer sollte Investitionsentscheide in der Praxis treffen?

Das hängt von der Grösse ab. Legen Sie eine Grenze fest: Bis zu einem bestimmten Betrag entscheidet die verantwortliche Person im Bereich selbst, darüber Sie als Inhaber:in. So bleiben kleinere Entscheide nicht bei Ihnen hängen.

Wie viele Digitalisierungsprojekte sollten wir gleichzeitig angehen?

Wenige. Ein bis zwei Projekte pro Quartal sind für die meisten Praxen realistisch. Wer zu viel gleichzeitig beginnt, schliesst am Ende keines ab.

Was, wenn sich ein Entscheid im Nachhinein als falsch herausstellt?

Das kommt vor. Ein bewusst getroffener Entscheid lässt sich korrigieren, weil die Gründe nachvollziehbar sind. Ein aufgeschobener Entscheid kostet dagegen jeden Monat Zeit und Geld, ohne dass etwas besser wird.

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Michael Eggimann
Professional EOS Implementer®

Bevor ich EOS Implementer® geworden bin, habe ich selber Unternehmen aufgebaut. Als Unternehmer habe ich in 20 Jahren fast alle Phasen einer Firma erlebt — Startup, Skalierung, Turnaround, Exit — und EOS® auch selbst eingeführt. Seit 2021 begleite ich Führungsteams als Professional EOS Implementer®, mit derselben operativen Perspektive, die ich selbst gebraucht hätte.

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